Chor
Die erste Kirche von Kirchbühl im 8. Jahrhundert hatte wohl noch keinen eigentlichen Chor. Erst um 1100 wurde auf der Ostseite der Kirche ein rechteckiger Chor angebaut. Der heutige Choranbau stammt allerdings aus dem Jahr 1490.
Weshalb erhielt St. Martin 1490 einen neuen Chor? Beim grossen Brand der Stadt Sempach von 1477 wurde auch die Leutpriesterei beschädigt. Deshalb entschied das Stift St. Leodegar in Luzern, den Leutpriester bei der Pfarrkirche auf Kirchbühl unterzubringen und nicht mehr in der Stadt Sempach.
Die Präsenz des Leutpriesters auf Kirchbühl führte dazu, dass Kirchbühl erneuert wurde. Der Turm wurde erhöht, der Chor angebaut, das Fenster auf der Südseite angebracht. Das Schiff hätte von der Kirchgemeinde Sempach auch noch umgebaut werden müssen. Das wurde aber hinfällig, denn schon der 1491 neu gewählte Leutpriester wohnte wieder in der Stadt Sempach.
Erst 1583 wurde der Chor ausgemalt. Das war vermutlich die letzte grössere Investition auf Kirchbühl. Im Gewölbe sind die 12 Apostel ersichtlich, oben die vier Evangelisten und die vier Kirchenväter. Die Schlusssteine sind mit dem heiligen Martin und dem leidenden Christus versehen.
Da der Maler zwei lateinische Sprüche im zweiten nördlichen Bogen verwechselt hatte, erklärte er diese Korrektur in einem Schriftband: «Der Zettel gehört zu S. Jakob» und «Der Zettel gehört zu S. Joan».