Wei­ler Kirch­bühl

Beschrei­bun­gen des Wei­lers Kirch­bühl spa­ren in der Regel nicht mit Super­la­ti­ven. Das Luzer­ner Bau­in­ven­tar bei­spiels­wei­se spricht von einem der «schönst­ge­le­ge­nen und räum­lich reiz­voll­sten Wei­ler des Kan­tons Luzern». Da ist es irgend­wie nur selbst­ver­ständ­lich, dass der Wei­ler auch im Bun­des­in­ven­tar der schüt­zens­wer­ten Orts­bil­der der Schweiz von natio­na­ler Bedeu­tung (ISOS) Auf­nah­me gefun­den hat.

Den Mit­tel­punkt des Wei­lers bil­det die ehe­ma­li­ge Pfarr­kir­che St. Martin. Gleich einer Pro­zes­si­ons­tras­se prä­sen­tiert sich ihr Zugang, gesäumt von statt­li­chen Bau­ern­häu­sern und Zweck­bau­ten oder nicht wei­ter land­wirt­schaft­lich genutz­ten Gebäu­den, die sich archi­tek­to­nisch gut in den Wei­ler inte­grie­ren.

Und dann der eigent­li­che Kir­chen­be­zirk selbst mit der roma­ni­schen Kir­che im Zen­trum – ein ganz beson­de­rer, ein­zig­ar­ti­ger Ort.

In Kirch­bühl tref­fen Mit­tel­al­ter, Barock, Roman­tik und moder­ne Archi­tek­tur auf­ein­an­der: Ein schö­ner, stim­mi­ger Mix aus Epo­chen und Stil­rich­tun­gen, der unge­mein fas­zi­niert.

Haus Gas­smann

Das archi­tek­to­ni­sche «Weich­bild» von Kirch­bühl prä­gen Sakral­bau­ten, land­wirt­schaft­li­che Gebäu­de und – ja genau – der auf­fäl­li­ge wür­fel­ar­ti­ge, klas­si­zi­sti­sche Bau, der gleich am Ein­gang des Wei­lers auf der lin­ken Sei­te steht. Genau das dürf­te 1873 die Absicht des Erbau­ers, des Han­dels­manns Josef Gas­smann, gewe­sen sein: ein Gebäu­de zu errich­ten, das sich von sei­ner land­wirt­schaft­li­chen Umge­bung unter­schei­det – ein «Soli­tär» gewis­ser­mas­sen und der ein­drück­li­che bau­li­che Ver­tre­ter des «bür­ger­li­chen» Kirch­bühl.

Haus Gas­smann (rechts) mit zum Wohn­ge­bäu­de umge­nutz­ter Remi­se

Haus Sto­fer

«Bäu­er­lich», «statt­lich» oder «typisch Kirch­bühl» könn­ten Attri­bu­te sein, die die Betrach­te­rin und der Betrach­ter mit dem ersten Gebäu­de ober­halb der Kirch­bühl­stras­se in Ver­bin­dung brin­gen. Die­ser Ein­druck täuscht nicht: Das 1780 im spät­ba­rocken Stil errich­te­te Bau­ern­haus steht stell­ver­tre­tend für den vor­wie­gend statt­lich-länd­li­chen Cha­rak­ter des Wei­lers. «Statt­lich­keit» war von Anfang an gewollt. Denn «statt­lich gebaut» bedeu­te­te nicht zuletzt, dem zeit­ge­nös­si­schen bäu­er­li­chen Selbst­be­wusst­sein beson­de­ren Aus­druck zu ver­lei­hen.

Span­nend ist auch der moder­ne Anbau lin­ker Hand, der sich dank drei Kri­te­ri­en unauf­fäl­lig ins Gesamt­bild ein­fügt: a) hin­ter der Bau­li­nie, b) unter­halb der Dach­trau­fe und c) farb­lich dis­kret.

Haus Sto­fer

Häu­ser Wini­ger

Vie­le wer­den sich erin­nern: Nahe St. Martin, links vor der Kir­chen­mau­er, stand wäh­rend lan­ger Zeit eine wuch­ti­ge, die süd­sei­ti­ge Ansicht von Kirch­bühl beherr­schen­de Scheu­ne. Ersetzt wur­de jene 2014 durch ein Zwil­lings­haus. Die archi­tek­to­ni­schen Über­le­gun­gen dabei: das Gebäu­de­vo­lu­men zwar bei­zu­be­hal­ten, doch den neu­en Bau durch des­sen Mehr­tei­lig­keit «har­mo­ni­scher» in den Wei­ler zu inte­grie­ren. Das archi­tek­to­ni­sche i‑Tüpfelchen dabei: Der Scheu­nen­cha­rak­ter blieb erhal­ten – ein Wak­ker-Bei­spiel erster Güte.

Häu­ser Wini­ger